Komplexität als tanzende Landschaften.

Der beste Rat, um komplexe Herausforderungen zu meistern, ist "Dance with the system". Ein Gastbeitrag von Heinz Peter Wallner.

Eine gewisse Weite im Blick schadet niemandem. Die Bergnatur, die auch Wemorrow gerne als Veranstaltungsorte zum Weiterdenken auswählt,  eröffnen uns eine Möglichkeit, unsere Denkhorizonte auszudehnen. Unterschiedliche Berglandschaften können wir gut als Metaphern einsetzen, wenn wir über unsere heutigen Herausforderungen als UnternehmerInnen und Führungskräfte nachdenken. Lassen Sie uns eine kleine Rundreise machen.

Zuerst nach Japan: Beginnen wir unsere Erkundung in einer einfachen Landschaft. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einer Ebene nahe des Mount Fuji. Der knapp 3.800 m hohe Berg ragt als einsamer Summit in den Himmel. Wenn Sie nun plötzlich die Aufgabe erhalten, „bewegen Sie sich bitte in Richtung der höchsten Erhebung“, dann werden Sie nicht lange fackeln. Ohne langes Nachdenken wenden Sie Ihren Blick dem Gipfel zu und setzen sich in Bewegung. Was Sie eben gelöst haben, war ein einfaches Problem. Solche lösen wir schnell, ganz ohne Analyse.

Auf der Alm: Versetzen Sie sich nun in die schroffe Berglandschaft in den Zentralalpen. Sie spazieren auf einer Almwiese dahin und plötzlich ereilt Sie wieder diese Aufgabe: „Bewegen Sie sich in Richtung der höchsten Ergebung“. Jetzt werden Sie innehalten, Ihren Blick 360° schweifen lassen und unentschieden bleiben. Es bieten sich Ihnen mehrere Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Entweder Sie fragen ortskundige Menschen oder Sie ziehen Karten und intelligente Technologien zu Rate, Sie sammeln Daten und werten sie aus. Nach einiger Zeit haben Sie die Aufgabe gelöst und Sie können sich in Bewegung setzen. Was Sie jetzt gemeistert haben, wird ein kompliziertes Problem genannt. Sie können sich bei der Lösung komplizierter Probleme ruhig Zeit lassen, weil sich das Problem – also die Landschaft – während der Lösung nicht relevant verändert. Datensammeln, ExpertInnen-Gutachten, Studien – was immer Sie brauchen – all das wird helfen, das Problem zu lösen. Im Management sind solche Aufgaben sehr häufig, sie stehen auf der täglichen Agenda.

Mitten im Beweglichen: Vielleicht ist aber Ihre Herausforderung noch nicht dabei gewesen. Wenn Sie nämlich das Gefühl haben, dass sich der Boden unter Ihren Füßen zu bewegen beginnt, dann wird die Sache komplexer. Wahrscheinlich stehen Sie auf einer tanzenden Landschaft, die sich dauernd verändert und die Ihnen keine Zeit für lange Analysen bietet. Die „dancing landscape“ kommt einem hohen Wellengang auf See gleich. Wenn Sie in dieser Situation „obenauf“ und immer in Richtung der höchsten Erhebung unterwegs sein wollen, müssen Sie sich in Bewegung setzen und sehr genau darauf achten, was unter Ihren Füßen passiert. Führt Ihr Weg bergauf, dann können Sie die Richtung beibehalten, beginnt sich das Blatt zu wenden und der Weg führt bergab, dann gilt es schnell, die Bewegungsrichtung zu verändern. Die tanzende Landschaft ist die Metapher für ein komplexes Problem. Hier ist schnelles Handeln sinnvoller als langes Nachdenken.

Komplexität meistern: Wenn unsere Herausforderungen also zunehmend komplexer werden, dann befinden wir uns auf tanzenden Landschaften. Am besten fahren wir dann, wenn wir mehrere Versuche starten und eng vernetzt mit dem System zu arbeiten beginnen. „Dance with the system“ ist der beste Rat, wenn komplexe Probleme zu lösen sind. 

Über den Autor: 

Heinz Peter Wallner ist seit 1995 als Berater und Trainer tätig. Er widmet sein Interesse und seine Energie den großen Fragen der Transformation und der Komplexität.

Mit „Train the eight Leadership“ bringt das Autorenteam, Heinz Peter Wallner und Kurt Völkl, bereits das fünfte Sachbuch auf den Markt. Diesmal mit tiefen Einblicken in die Welt der Komplexität, mit der Führungskräfte heute immer intensiver konfrontiert werden.

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Hannes Offenbacher
9 Tage zuvor

Als leidenschaftlicher Bergsteiger finde ich das eine wunderschöne Metapher. Schon Fredmund Malik’s Buch „Wenn Grenzen keine sind: Management und Bergsteigen“ hat mich dahingehend begeistert.

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